• Blickwechsel

Das Nichts als Fülle schätzen lernen


Nichts ...

– ein Wort, dass mir immer Unwohlsein verschafft hatte.

NICHTS... was ist das? Wieviel ist das? Darf man das? Was macht man damit? Geht das überhaupt? Produktivität, Fleiss, das sind mir bekannte Begriffe. Etwas erschaffen, fertigstellen, etwas tun. “Schatz, was hast du heute gemacht?” - “Nichts...” Stell dir dieses Scenario vor! Was ist das für eine Antwort...! Nichts, ich habe nichts gemacht. Ich war faul, eben zu nichts zu gebrauchen!


Doch dieses Nichts zieht mich magisch an. Aber, mich wirklich an dieses Nichts heran trauen hatte ich noch nicht gewagt... Bis... Ja bis ich im Wald war. Ein ganzes Wochenende einen Fuss vor den anderen setzen, du erinnerst dich? Wir sind einfach nur gegangen, und wussten nicht wirklich wohin. Einfach nur gehen, und einen Fuss vor den anderen setzen.

Am zweiten Tag der Reise durften wir eine unwahrscheinlich beeindruckenden Bekanntschaft machen. Ich werde diesen Moment für ewig in meinem Herz aufbewahren. Ohne es darauf abgesehen zu haben, haben wir jemanden, oder eher etwas, kennenlernen dürfen. Wir durften eintauchen, zuhören, fühlen und erschaudern zugleich. Wer oder was da war? – Das NICHTS – Für eine gefühlte Ewigkeit haben wir diesen Zustand in unsre Zellen eingesogen und dort abgespeichert, um ihn auf ewig abrufen zu können. Kein einziges Geräusch, völlige Stille! Kannst du dir das vorstellen? Mitten im Wald kein Vogel, kein Rascheln, kein Knarren, kein Windhauch, NICHTS! Ich bin ziemlich oft in der Natur unterwegs, seit meiner frühesten Kindheit schon, aber so etwas habe ich noch nie erlebt! Ich habe nur da gestanden, auf meinen zwei Beinen, mit zwei müden Füssen, und NICHTS gehört, NICHTS gerochen, NICHTS getan, NICHTS geschmeckt und ... NICHTS gedacht!





Wieder zu Hause


... hat dieser Moment immer noch seine Nachwirkungen. Ich lasse es nun zu, einfach auf der Couch zu sitzen, und nichts zu tun. Einfach mal unproduktiv sein. Und wenn ich male oder schreibe, dann erlaube ich mir es einfach nur so aus Spass zu tun, ohne etwas Brauchbares erschaffen zu müssen. Und wenn dabei eben - nichts – raus kommt, auch gut! Es erleichtert mich, nimmt Druck und Last von den Schultern. Es nimmt die harte Schale aus meinem Panzer, die ich mir selbst auferlegt habe, und zeigt mir immer mehr meinen weichen Kern. Einen Kern, den ich mag und schätzen gelernt habe. Einen Kern, der so Einiges drauf hat! Und jetzt kann dieser Kern eines vor Allem richtig gut: Nichts tun! Herrlich!



Nichts – was bedeutet dir das?


Gehörst du zu den Menschen, die sich dafür schämen, mal weniger, oder nichts zu leisten? Fürchtest du dich vor der anscheinenden Ansammlung der To Do Punkte auf deiner Liste, wenn du diese mal kurz zur Seite schiebst? Oder gehörst du zu den glücklichen Menschen, die sich diese Auszeiten gönnen, die sich die Möglichkeit geben, das Nichts als wahre Fülle zu erleben?


Oft gehen uns die Dinge besser von der Hand, wenn wir uns vorher eine Pause gegönnt haben, die Akkus aufladen. Dinge, die vorher unerreichbar waren, sind jetzt viel näher, Berge, die vorher immens hoch waren und Angst machten, sehen jetzt nur noch wie Hügel aus...

Probiere es einfach mal aus. Setz dich hin und lausche. Schenke deinem Umfeld und dir selbst, deinem Atem und deinem Herzschlag, dein Ohr. Und mache dabei vor allem eines: es geniessen! Falls dir Dinge im Kopf rumschwirren, von denen du denkst, sie unbedingt noch erledigen zu müssen, und du hast Angst, sie zu vergessen, dann nimm dir einen Zettel. Schreib es auf und parke es. Alles auf dem Papier geparkte fährt nicht weiter im Kopf im Kreis umher. Nun hast du dir Zeit und Raum geschaffen, deine 5 oder 10 Minuten zu geniessen. Aber wirklich zu geniessen. Einfach nur NICHTS tun. Du wirst sehen, und vor Allem fühlen, wie aus dem Nichts eine wohl tuende Fülle empor steigt...!





Titelbild: Unsplash