Kampf-Flucht Reflex kurz erklärt
- Blickwechsel mit Kerstin

- 6. Dez. 2020
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Apr.
Kampf-Flucht Reflex, dein Schutzmechanismus

Im Hirn gibt es einen Schalter, der schon seit Entstehung des Lebens auf der Erde in unserem zentralen Steuerorgan existiert. Einer der ersten Schalter, oder vielleicht sogar der erste Schalter überhaupt, der installiert worden ist: der Überlebensmechanismus, genannt “Kampf – Flucht Reflex".
Unser Kampf-Flucht Reflex bei echter Gefahr
Ist der Kampf-Flucht Reflex eingeschaltet, weil wir uns in einer Gefahr befinden, dient er dazu, uns durch schnelle instinktive Reaktionen möglichst schnell und unversehrt wieder aus dieser Situation raus zu holen. Erst einmal Lage checken, überlegen, abwägen von verschiedenen Möglichkeiten würden in solch einer Situation ja auch viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Um dies zu gewährleisten schaltet das Gehirn bei aktiviertem Kampf-Flucht Reflex den Bereich des Denkhirns ab, den so genannten Präfrontalen Kortex und das Stammhirn übernimmt.
Selbst ein Käfer hat ihn verankert in seinem Hirn: Er erstarrt bei vermeintlicher Gefahr. Es sieht aus, als sei er tot, und somit ist er nicht mehr interessant für seine Beute.
Erstarren als nur eines der verschiedenen möglichen autonomen Stadien, wobei Erstarren, Flüchten und Kämpfen die wohl Bekanntesten sind.
Sieht man eine Gefahr, z.B. einen Tiger, flüchtet man. Wenn man dann realisiert, dass das Wegrennen aussichtslos ist, da der Tiger sowieso schneller ist, geht man zum Kampf über. Ist auch der aussichtslos, dann geht der Instinkt zum Erstarren über, weil man sich in die Enge getrieben führt. Ist die Gefahr dann noch immer nicht gebändigt, sondern kippt von Gefahr zu Lebensbedrohung, gibt es noch weitere Schutzmechanismen, die das autonome Nervensystem über das Stammhirn aktivieren kann: den sogenannten Shut Down oder Totstellreflex. Den sieht man zum Beispiel bei Beutetieren, die von ihrem Jäger eingeholt werden. Sie stellen sich tot, der Körper erschlafft, die Atmung wird flacher, das Herz schlägt langsamer. Es erleichtert entweder dem gejagten, in den Tod überzugehen oder rettet ihm das Leben dadurch, dass das Beutetier von ihm ablässt, weil es ja bereits tod erscheint und so den Jagdinstinkt nicht mehr weckt.
Unser Kampf-Flucht Reflex bei 'unechter' Gefahr
Doch, jetzt stellen sie sich einmal vor, es handelt sich hierbei um eine “vermeintliche” Gefahr, d.h. sie sehen keinen Tiger, aber eine kleine Maus, eine Spinne? Vielleicht handelt es sich hier aber auch weder um eine Maus, noch eine Spinne, sondern um eine neue Herausforderung, einen To Do Punkt zu viel auf der Tagesliste, den Weg zur Arbeit, zur Schule ... Sie befinden sich vielleicht nicht wirklich in Gefahr, aber ihr Gehirn deutet es so. Es folgen die gleichen Abläufe, ob es sich hier um einen Tiger, oder eine Maus handelt, spielt für den Reflex keine Rolle. Der Überlebensmechanismus schaltet sich ein und will Sie beschützen, vor egal was. Sie gelangen so in eine Kampfhandlung, oder gehen in die Flucht, die Vermeidung. Vielleicht aber fühlen Sie sich wie erstarrt, festgefahren oder völlig Energielos, fast so wie weg von sich.
Nachdenken ist in dieser Phase schwierig, logisches Handeln auch, da ja das Denkhirn mit Absicht vom Stammhirn 'abgeschaltet' wurde. In solch einer Situation verhält man sich wie ein kleines dreijähriges Kind. Manchmal möchte man auch aus dieser erstarrten Position raus, die Gedanken sind schon wieder frei, aber der Körper bewegt sich einfach nicht... Manchmal kann man gar nicht mehr aufhören, weg zu rennen, sich Auswege zu suchen, obwohl man es eigentlich gar nicht will, und die Gefahr schon längst vorbei ist. Manchmal steigt die Aggression so schnell hoch, dass man selbst überrascht ist. Man ist bereit, sich mit vollem Körpereinsatz zu verteidigen. Aber, worum ging es sich auch noch?
Sein, oder nicht sein, das ist hier die Frage...
Ist der Kampf-Flucht Reflex Schalter im Hirn betätigt, agieren wir nicht mehr bewusst. Wir greifen nur noch instinktiv auf das zurück, was in unsrem Unterbewusstsein abgespeichert ist. Abgespeichert durch unsere eigenen Erfahrungen, abgespeichert durch die Evolution und ausgeführt durch die Instinkte. Wir agieren wie fremdgesteuert. Erkennen uns oft nicht wieder. Hinzu kommen die körperlichen Veränderungen bedingt durch diesen Stress, ausgelöst durch das Einschalten des Kampf-Flucht Reflexes. (Ich brauch ihnen hier nicht noch einmal zu erläutern, welches diese körperlichen Veränderungen durch Stress sind, sie kennen den zu hohen Blutdruck, das Herzrasen, die Verdauungsprobleme... Darüber gibt es weiß Gott, genug Artikel.)
Ist dieser Kampf-Flucht Reflex zu oft angeschaltet, durch immer wiederkehrende Angst, oder Stress, dann können diese körperlichen Stresssymptome und dieses Gefühl des “Fremdgesteuertseins”, zum Dauerzustand werden. Dies bringt die Gefahr mit sich, dass wir dieses Gefühl der Fremdsteuerung nicht mehr als fremd wahrnehmen. Wir beginnen uns damit zu identifizieren und drehen uns im Kreis...
raus aus dem Tunnelblick und dem Gedankenkarussell

Das Hirn fokussiert im Stress und in der Angst alle Sinne nur noch auf die Gefahr, oder die vermeintliche Gefahr. Sie aus den Augen zu lassen, könnte “den Tod” bedeuten. Wir sehen und denken nur noch an den Tiger, die Maus. Wir trauen uns nicht, um uns herum zu schauen. Somit kann man keine weiteren Lösungsmöglichkeiten finden, weil man sie nicht sieht, nicht sehen kann. Das Blickfeld verengt sich, aber der Blick an sich wird schärfer. Der sogenannte “Tunnelblick” entsteht. Genauso ist es mit den anderen Sinnen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen/Tasten. Alles ist darauf bedacht, die Gefahr, und nur diese, genau unter die Lupe zu nehmen, und jede kleinste Regung festzustellen, um direkt reagieren zu können. Daraus resultiert im Leben eine Perspektive, die nur noch auf das Problem gerichtet ist. Jedoch, um Lösungen zu finden, ist ein Wechsel dieser Perspektive nötig. Es ist nötig, das Problem, die Gefahr, für einen Moment aus den Augen zu lassen, sich umzudrehen, sich zu trauen, an etwas anderes zu denken, Raum zu schaffen!
Dazu benötigt unser Autonomes Nervensystem ein Gespür von Sicherheit auf allen Ebenen. Denn nur wenn unser autonomes Nervensystem um uns herum und in uns drin keine Gefahr mehr wahrnimmt, ist es bereit den Kampf Flucht Reflex auszuschalten und in den normalen Modus überzugehen.
Jetzt erst kehrt eine Aktivität in unser Denkhirn zurück und wir sind wieder in der Lage, neue Lösungen zu sehen und Veränderungen zuzulassen! Hurra!
Blickwechsel – der Weg zum Ziel
das bin ich:

Mein Name ist Kerstin Haag.
Ich bin meine berufliche Karriere als Tierärztin gestartet und habe schnell festgestellt, das mir diese Arbeit nicht tief genug ging.
Heute begleite ich in meinem Bauwagen in Ostbelgien Hunde und/ oder Menschen in Prozessen durch ihren Stress, ihre Ängste, ihre Herausforderungen und Lebenskrisen, sowie ihre Traumata.
Ich biete Hundepsychologie für traumatisierte Hunde
an und
ganzheitliches Coaching
für sensible und hochsensible Kinder & Erwachsene.
Durch diesen Wechsel zwischen Tier und Mensch kann ich immer wieder viel lernen:
von den Tieren die natürlichen Instinkte und deren Auswirkungen auf unser Sein, sowie die in uns angelegten Bewältigungsstrategien.
von den Menschen lerne ich über die verbale Sprache, wie es sich anfühlt, stecken zu bleiben und was genau hilft, um da wieder raus zu kommen.
Ich liebe es zu forschen, mich weiterzubilden und mein Wissen mitzuteilen.
Aktuell (2025-2026) bilde ich mich weiter bei Verena König in
traumasensiblem Coaching
Ich möchte die Dynamik von Trauma, Stress und Angst noch tiefer verstehen und damit umgehen lernen sowohl bei den Hunden, als auch bei den Menschen.
Und absolut gerne teile ich mein Wissen mit dir!
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