• Blickwechsel

was tun, wenn der Welpe Angst hat?

"fordern - JA, überfordern - NEIN, das ist hier die Kunst!"


Der kleine flauschige Welpe, der erwachsene Hund, der als Neuling in ihre Familie kommt, muss sich so manch einer neuen Herausforderung stellen. Er sieht Sie, Ihr Haus, Ihren Garten doch zum ersten Mal. Manche Geräusche, Bewegung und Transportmittel sind ihm noch völlig fremd, machen ihn ängstlich. Selbst Fot: Unsplash


Artgenossen, oder fremdartige Tiere kann er noch nicht einordnen.

Dabei stellen Sie sich als Besitzer die Frage: “Wie bringe ich meinem vierbeinigen Freund erfolgreich und dauerhaft diese neuen Dinge bei, ohne ihn dabei zu überfordern? Ich möchte, dass er mir später vertraut und folgt. Wir sollen schließlich ein gutes Team werden!”


Die Metapher eines Computers


Mann stelle sich einmal vor, das Gehirn sein ein Computer. In der Sozialisierungsphase des Welpen, zwischen der achten und zwölften Lebenswoche, ist es so, dass alle Programme einfacher und schneller installiert werden, als bei einem erwachsenen Hund. Man hat jetzt also die Chance, alles, was der Hund für sein Zusammenleben mit Ihnen braucht, dauerhaft und kompetent Foto: Wix


zu “installieren”, oder eben nicht...

Der Hund wird geboren, hat seine angeborenen Instinkte, sozusagen die Werkprogramme des PC’s, aber die Festplatte seines Computers, seines Hirns, muss noch mit den Programmen upgedatet werden, die er für seine Zukunft mit seinem Besitzer braucht. Die ersten Programme lernt er durch seine Mutter, Geschwister und dem Züchter, d.h. im Normalfall, wenn alles richtig verläuft. Danach sind Sie als Besitzer dran.

Alles Neue, das er in seiner Umgebung sieht, hört, riecht, fühlt oder schmeckt, kann man sich wie ein neues Computerprogramm vorstellen. Das heißt der Welpe muss es zuerst einmal downloaden, zu 100%, und dann abspeichern auf der Festplatte. Das geschieht nur dann, wenn er die Möglichkeit hat, es in Ruhe und Sicherheit, mit aller für ihn nötigen Zeit, kennenzulernen.


Sicherheit, heißt im Klartext: so lange im sicheren Abstand das Neue beobachten, mit eigener Neugierde und Freude, ohne Angst Druck und Stress, bis er sich in Gegenwart dieses Neuen, was ihm vielleicht auch anfangs Unbehagen verschaffen hat, entspannen kann. Und zwar so richtig entspannen, mit Gähnen, hinlegen, dösen oder fast oder ganz und gar einschläfern, nicht nur brav sitzen oder liegen bleiben, und trotzdem noch verspannt. Er muss komplett die Kontrolle abgeben und das Neue sozusagen vergessen, sich wieder von sich aus mit anderen Dingen beschäftigen. Erst dann hat er verstanden, dass von diesem Neuen keine Gefahr ausgeht. Und erst dann ist er mit seinem Programm “das ist mir jetzt bekannt als -nicht gefährlich- ” fertig. Erst dann ist es effektiv installiert, und kann beim nächsten Mal wieder einfach abgerufen werden.


in Ruhe... Das Neue kennenlernen macht er mit seinen Sinnen, hauptsächlich mit seinem Riechsinn. Der Welpe schnüffelt, schaut es sich an, er nimmt es eventuell auch in den Mund, stupst es an... Er nimmt den neuen Reiz wahr. Sein Gehirn arbeitet dabei auf Hochtouren. Es muss nun entscheiden, welche Reize sinnvoll sind, bearbeitet und registriert werden sollen, und welche nicht. Dazu wird die passende Antwort gesucht. Die Antwort, die wir uns hier wünschen, ist und bleibt: "Entspannung - ist keine Gefahr"


Zeit... Solange er schnüffelt, kennenlernt, unterbrechen sie ihn nicht. Lassen Sie die Leine lang, entspannen sich selbst und warten Sie einfach ab. Unterbrechen Sie ihn nur, wenn er aufdreht, wenn er hochfährt, sich nicht mehr entspannt zeigt. Lassen Sie ihn in Ruhe seinen neuen Reiz erkunden, halten Sie ihn nicht auf, oder halten sie ein Computerprogramm an, während es runtergeladen wird?


Ist der Vierbeiner fertig mit schnüffeln, stöbern, knabbern, lecken, hat er sich in Ruhe hingelegt, beschäftigt sich eventuell mit etwas anderem, dann hat er auf “speichern” geklickt, dann ist das Programm zu 100% runtergeladen und alles ist bereit für den nächsten Einsatz.



Ein konkretes Beispiel aus dem Alltag


Der kleine Welpe sieht zum ersten Mal in seinem Leben ein Pferd auf einer Weide. Er steht mit Ihnen am Zaun, sieht das neue Wesen und sucht in seinem Speicherplatz nach einer Antwort auf dieses Unbekannte. Habe ich das schon mal gesehen? Ist das gefährlich? Hat mir mein Besitzer schon erklärt, was ich machen muss, Foto: Pixabay


wenn wir einem solchen Ding begegnen?

Sobald er das Pferd sieht, kann man sich zum besseren Verständnis bildlich vorstellen, er suche im Internet nach dem dazugehörigen Programm, um es auf seine Festplatte, sein Hirn, zu installieren. Der Welpe bekommt nun die Zeit, die er braucht, und sein Besitzer gibt ihm die nötige Ruhe und Entspannung, indem er signalisiert „alles ist gut“. Außerdem hat der Besitzer darauf geachtet, dass der kleine Welpe keinen zusätzlichen Reizen ausgesetzt ist und nicht gestört wird.. Er ist angeleint und kann nicht auf die Weide laufen, er befindet sich also in Sicherheit, das Pferd stellt auf diese Weise keine Gefahr dar. Sie als Besitzer gehen mit gutem Beispiel voran und beobachten entspannt das Pferd, oder besser noch, setzen sich hin, atmen bewusst tief ein und aus, und schauen anfangs locker auf das Pferd, um es nachher zu ignorieren, und den eigenen Gedanken nachzuhängen.


Woran erkennen sie nun, wann das Programm zu 100% runtergeladen wurde, unser Welpe es abgespeichert hat auf seiner Festplatte? Nun, in dem Moment wo er es abgespeichert hat, braucht er sich nicht mehr so aufmerksam damit zu beschäftigen. Er hat nun eine Antwort auf diesen neuen Reiz, die er zu jeder Zeit abrufen kann, diese lautet „stell, leg oder setz dich am Rand der Weide und bleibe ruhig“. Der Welpe wird sich dann entspannen und sich anderen Dingen widmen, im besten Falle legt er sich hin und döst, denn eine solche Übung ist ziemlich anstrengend für ihn. Die völlige Entspannung signalisiert „abgespeichert“, aber nur die völlige Entspannung. Einfach nur sich gehorsam hinsetzten oder legen, aber noch mit allen Sinnen, Augen, Ohren und Nase beim Pferd sein heißt, dass das Programm noch läuft und nicht abgespeichert ist. Also, weiter in Ruhe verharren! Nehmen sie sich Zeit!


Was, wenn es schief läuft?

Nun komme ich zurück auf die Situation, in der das Programm nicht erfolgreich abgespeichert werden konnte: Stellen sie sich vor, der Welpe steht vor der Pferdeweide. Das Programm beginnt runtergeladen zu werden. Nun nähert sich das Pferd dem Welpen, er reagiert ängstlich. Sie aber scheuchen es nicht weg, oder geben dem Welpen durch die Länge der Leine nicht die Möglichkeit, sich etwas nach hinten zu bewegen, um Abstand zu gewinnen. Er ist demnach ausgeliefert und der Stress steigert sich. Er kann nur aushalten. Zusätzlich kommt ein Spaziergänger vorbei und begrüßt ihren Welpen übermütig „ooch ist der aber süß!“.

Das alles sind zusätzliche eventuell auch neue Reize. Also weitere Programme, die ebenfalls noch runtergeladen werden müssen. Neue Fenster, Windows, erscheinen auf dem Bildschirm.


Stellen sie sich dieses Chaos vor! Auf seinem Bildschirm befinden sich nun bereits mehrere Fenster mit Programmen, wie „Pferd“, „Pferd kommt auf mich zu - Achtung Gefahr, ich will fliehen kann aber nicht, weil mein Fot: Fot: Wix


Besitzer mich festhält“, „Fremde Person fasst mich an – Gefahr? Ist sie sympathisch? Sie hat mich noch nicht einmal an ihr schnüffeln lassen, ich kann ihren Duft nicht abspeichern“…. So können es immer mehr werden. Längst schon verliert der Hund, bzw. sein Gehirn, den Überblick. Mit welchem hat er begonnen? Womit soll er jetzt weitermachen? Was ist denn nun wirklich wichtig? Es kommt zum Computerabsturz durch Reizüberflutung in Form von Stress – Angst – Nervosität. Die sichtbaren Folgen sind: Springen – Junken – Fiepsen – Knabbern – Zittern – Pinkeln – Erstarren – Flüchten - ... Herrchen oder Frauchen beenden die Situation, weil der Kleine und sie selbst überfordert und nervös und aufgedreht sind.

Fazit, indem der Welpe diese Situation in dieser Verfassung ohne den gewünschten Erfolg verlässt, ist es, als ob man auf allen Fenstern oben rechts auf das x klickt, um sie vor dem kompletten Installieren zu schließen. Was zur Folge hat, dass der Welpe, kommt er nochmal in eine ähnliche Situation, diese Programme nicht abrufen kann, da sie nicht installiert und gespeichert worden sind. Das heißt, einem Pferd zu begegnen wird ihn wieder nervös machen, ängstlich. Er wird wieder von vorne anfangen müssen. Er wird dementsprechend wieder viel Zeit benötigen, es wird im Vergleich zum ersten Versuch kein Fortschritt sichtbar sein, eher das Gegenteil. Er muss wieder aufs Neue diese Programm "Pferd" im Internet suchen, um es downloaden zu können. Hoffentlich dieses Mal mit genügend Zeit und Ruhe, so dass Sie und Ihr Welpe dann bei “Download zu 100%” auch auf „speichern“ klicken können.


Auch bei Hunden spielt die Psychosomatik eine große Rolle


Ist der Stress, die Angst und Überforderung zu groß und zu häufig, können auch Tiere daran erkranken. Genauso, wie bei uns Menschen erhöht sich auch bei Tieren der Blutdruck, der Blutzuckerspiegel und die Herzfrequenz. Die Verdauungsaktivität sinkt, ... um nur Foto: Wix


ein paar der typischen Symptome zu nennen. Somit kann sich auch bei Tieren diese Überforderung in Form von Allergien, Hautkrankheiten, Kreislauf- und Verdauungsstörungen, sowie anderen Krankheitsbildern äußern. Hier zeigt sich noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, neben der Schulmedizin, auch an möglichen psychischen oder anderen komplementären Therapien zu denken!



Blickwechsel - der Weg zum Ziel


Durch meine Arbeit ist es mir möglich den kleinsten Stress beim Welpen und auch bei Ihnen herauszukristallisieren. Das heißt im Klartext: gemeinsam nehmen wir drei uns der neuen Herausforderung an. Sobald ein noch so minimales Anzeichen für Überforderung auftritt wissen wir, dass wir einen Schritt zu schnell waren, und Foto: Corinna-Jasmin Kopsch


gehen diesen Schritt wieder zurück, bis Ihr Vierbeiner sich wieder wohl fühlt, und seine Sinne wieder neugierig und offen auf das Neue eingehen. Dabei werde ich Sie ständig anleiten, den Blick zu wechseln, d.h. die Perspektive zu tauschen, und sich in die Lage ihres Welpen zu versetzen, um ein besseres Gefühl und Verständnis für ihn zu erlangen. So können Sie besser abschätzen, welche zusätzlichen Reize auf ihn einprasseln, wie er darauf reagiert, und wie Sie ihn abschirmen oder auch zurechtweisen können.

Dieser Perspektivenwechsel ist in seiner Wichtigkeit nicht zu unterschätzen: er gibt Aufschluss darauf, wie Ihr Welpe SIE sieht! Sind Sie klar in Ihrem Handeln? Sind Sie entspannt, nervös, zuversichtlich? Wissen Sie, was Sie tun, wie Sie es tun, warum Sie es so tun? Sehen sie einen Sinn in ihrem Tun? Können Sie ihrem Welpen diesen Sinn vermitteln? Sinn bedeutet Motivation, und wer motiviert ist lernt ganz automatisch! Was sagt ihr Körper aus, ihr Gemütszustand, ihre Emotionen und Gedanken?

Das alles spielt eine unheimlich wichtige Rolle, da der Kleine doch vor Allem auch durch Nachahmung lernt, und Sie wollen nicht, dass er Ihren Stress und Nervosität nachahmt, gar Ihre Angst...


Fragen, über Fragen, auf die wir gemeinsam eingehen werden, während der Kleine mit dem “neuen Programm” beschäftigt ist. Haben Sie Lust, die Antworten auf diese Fragen für sich und ihren Hund zu finden? Haben Sie Lust, aus sich und ihrem vierbeinigen Freund ein Team zu machen? Ein Team dass sich durch Verständnis und Loyalität auszeichnet? Dann sind Sie bei mir richtig! Ich freue mich auf Sie und ihren Welpen!


Liebe Grüße,

Dr med vet Kerstin Haag - Blickwechsel




Titelbild: Unsplash